Dieses Oberseminar bereitet die Teilnehmenden auf die berufsqualifizierende Tätigkeit im Rahmen der psychodynamischen Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen vor. Im Fokus steht die praxisnahe Anwendung psychodynamischer Konzepte und Techniken, die für eine evidenzbasierte und entwicklungsangemessene psychotherapeutische Behandlung wesentlich sind. Ein zentraler Bestandteil des Seminars ist die Anwendung psychodynamischer Diagnostikmethoden bei Kindern und Jugendlichen. Hierzu zählen das szenische Verstehen im Sinne von Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen, projektive Verfahren sowie standardisierte Instrumente wie die OPD-KJ-2. Diese Verfahren ermöglichen die Erfassung unbewusster Prozesse, unbewusster Konflikte und struktureller Voraussetzungen im Kontext der individuellen Entwicklung. Die Teilnehmenden lernen, auf dieser Grundlage psychodynamische Therapieziele zu formulieren und indikationsgeleitete Behandlungspläne zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Verfassen einer Psychodynamik, um die Symptomatik im Zusammenhang mit der individuellen Entwicklungs- und Beziehungsgeschichte zu verstehen und zugrundeliegende Konflikte sowie Abwehrmechanismen zu erfassen. Ein wesentlicher Fokus liegt auf der Vermittlung psychodynamischer Basistechniken und therapeutischer Haltungen, die an die Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen angepasst sind. Das kindliche Spiel wird hierbei als zentrale Ausdrucks- und Kommunikationsform genutzt und dient als Zugang zum Verständnis unbewusster Prozesse. Ergänzend werden interpretative Interventionen, wie Konfrontation und Deutung, sowie supportive Techniken zur Stabilisierung der Ich-Funktionen und zur Förderung der emotionalen Regulation vermittelt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Einbeziehung der Bezugspersonen in den therapeutischen Prozess. Die Teilnehmenden lernen, wie ein tragfähiges Arbeitsbündnis mit Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen aufgebaut und gestaltet werden kann, um die therapeutische Arbeit zu unterstützen. Dazu gehört auch, Ambivalenzen in der Zusammenarbeit anzusprechen und einen konstruktiven Dialog zu fördern. Darüber hinaus erwerben die Teilnehmenden Kompetenzen in der Durchführung von Beratungsgesprächen auf Grundlage psychodynamischer und wissenschaftlich fundierter Kommunikationsansätze, beispielsweise nach Schulz von Thun und Carl Rogers. Sie lernen zudem, psychoedukative Maßnahmen durchzuführen, um Bezugspersonen die Behandlungsrationale und den therapeutischen Ansatz verständlich zu vermitteln. Die störungsbezogene, richtlinien- und leitlinienorientierte Aufklärung wird praxisnah vermittelt und kritisch reflektiert. Ein weiterer Bestandteil des Seminars ist der professionelle Umgang mit Krisen- und Notfallsituationen, insbesondere im Kontext von Kindeswohlgefährdung. Die Teilnehmenden lernen, Risiko- und Schutzfaktoren zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Die Inhalte werden durch interaktive und praxisorientierte Lehrmethoden vermittelt, darunter Fallbesprechungen, Videoanalysen, Rollenspiele mit Simulationspatient:innen sowie Übungen zur Selbstreflexion. Die Teilnehmenden setzen sich mit ihrem therapeutischen Handeln auseinander und reflektieren eigene emotionale Reaktionen im therapeutischen Prozess. Ziel des Seminars ist es, die Studierenden dazu zu befähigen, psychodynamische Erstgespräche mit Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugspersonen durchzuführen, psychodynamische Diagnosen zu erstellen, Therapieziele zu formulieren und fundierte Behandlungspläne zu entwickeln. Zudem lernen sie, therapeutische Beziehungen entwicklungsangemessen zu gestalten, Bezugspersonen fachkundig zu beraten und in Krisensituationen verantwortungsvoll zu handeln. |