| Kommentar |
Werden Natur- und Umweltschutzprobleme auf einer eher abstrakten Ebene erörtert, taucht mitunter die Frage auf, was denn „die Umweltethik” dazu meine. Dabei unterstellt diese Frage in gewisser Hinsicht, dass es innerhalb dieser Disziplin ein ähnlich gut abgesichertes und konsensfähiges Lehrbuchwissen gäbe wie beispielsweise in der Chemie oder Physik. Diese Einschätzung ist nicht realistisch. Sie vergisst nicht nur, dass Umweltethik als Teildisziplin der praktischen Philosophie gerade mal 50 Jahre alt ist und damit gleichsam noch in den Kinderschuhen steckt. Sie unterschätzt auch, in welch starkem Maße umweltethische Fragen mit weltanschaulichen Voraussetzungen (wie z.B. dem Welt-, Menschen- und Naturbild des Ethikers oder der Ethikerin) verknüpft sind. Unterschiedliche und sich zum Teil widersprechende Standpunkte sind vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich. Im Seminar wollen wir die wichtigsten Grundpositionen der Umweltethik, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte herauskristallisiert haben, anhand einschlägiger Texte kennenlernen. Dabei wird sich zeigen, dass trotz aller Pluralität der Ansätze kein Anlass zu einem Relativismus besteht, für den die moralische Beurteilung von Naturschutzproblemen letztendlich „Geschmackssache” ist. Für einige Einschätzungen gibt es bessere Gründe als für andere. Das Seminar möchte die Fähigkeit trainieren, sich hier ein eigenes Urteil zu bilden. Das Seminar wird als Blockseminar angeboten (03.-05.07.). |