Dieses Oberseminar bereitet die Teilnehmenden gezielt auf die berufsqualifizierende Tätigkeit im Rahmen der psychodynamischen Psychotherapie mit erwachsenen Patient:innen vor. Im Mittelpunkt steht die praxisnahe Anwendung psychodynamischer Konzepte und Techniken, die für eine evidenzbasierte und patientenzentrierte psychotherapeutische Behandlung wesentlich sind. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Anwendung psychodynamischer Diagnostikmethoden. Hierzu gehören das szenische Verstehen im Sinne von Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen, projektive Verfahren sowie standardisierte Instrumente wie die OPD-3. Diese Verfahren dienen der differenzierten Erfassung unbewusster Prozesse, intrapsychischer Konflikte und struktureller Voraussetzungen der Patient:innen. Darauf aufbauend lernen die Teilnehmenden, individuelle psychodynamische Therapieziele zu formulieren und indikationsgeleitete Behandlungspläne zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Verfassen einer Psychodynamik, um die Symptomatik im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte zu verstehen und zugrundeliegende Konflikte sowie Abwehrmechanismen zu erfassen. Dies bildet eine zentrale Grundlage für die weitere Therapieplanung. Darüber hinaus werden grundlegende psychodynamische Basistechniken wie freies Assoziieren, Containment und Holding sowie zentrale therapeutische Haltungen, insbesondere Abstinenz und gleichschwebende Aufmerksamkeit, vermittelt und eingeübt. Ergänzend werden sowohl interpretative Interventionen, wie Konfrontation und Deutung, als auch supportive Techniken zur Stabilisierung und Förderung der Ich-Funktionen behandelt. Ein weiterer Bestandteil des Seminars ist die Vermittlung psychodynamisch fundierter Kommunikationskompetenzen. Die Teilnehmenden üben die Durchführung von Beratungsgesprächen unter Einbezug wissenschaftlich fundierter Kommunikationsansätze, beispielsweise nach Schulz von Thun und Carl Rogers. Darüber hinaus wird die Durchführung psychoedukativer Maßnahmen eingeübt, um Patient:innen die Behandlungsrationale und den therapeutischen Ansatz nachvollziehbar zu vermitteln. Die störungsbezogene, richtlinien- und leitlinienorientierte Aufklärung wird praxisnah vermittelt und kritisch reflektiert. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt auf dem Erkennen und dem professionellen Umgang mit Krisen- und Notfallsituationen, insbesondere bei Suizidalität. Die Teilnehmenden lernen, Risiko- und Schutzfaktoren zu erkennen und angemessene Maßnahmen einzuleiten. Die Vermittlung der Inhalte erfolgt durch interaktive und praxisnahe Lehrmethoden. Dazu gehören Fallbesprechungen, Videoanalysen therapeutischer Prozesse, Rollenspiele mit Simulationspatient:innen sowie Übungen zur Selbstreflexion. Die Teilnehmenden setzen sich dabei mit ihrem eigenen therapeutischen Stil auseinander und reflektieren Gegenübertragungsprozesse. Ziel des Seminars ist es, die Studierenden dazu zu befähigen, psychodynamische Erstgespräche eigenständig durchzuführen, psychodynamische Diagnosen zu erstellen, Therapieziele zu formulieren und fundierte Behandlungspläne zu entwickeln. Zudem lernen sie, therapeutische Beziehungen professionell zu gestalten, Patient:innen fachkundig zu beraten und in Krisensituationen angemessen und sicher zu handeln |