| Kommentar |
„Nur eine Maschine vermag ein Sonett, das von einer anderen Maschine geschrieben wurde, wirklich zu schätzen.” Diesen Gedanken hat der Dichter Raymond Queneau bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert erwogen und in seiner eigenen Lyrik experimentell durchgespielt. Mittlerweile sind die Möglichkeiten, Gedichte maschinell oder maschinengestützt herzustellen, sehr viel weitreichender und vielfältiger geworden, und bis auf weiteres scheint die menschliche Mitwirkung an diesen Prozessen durchaus nicht passé zu sein. Allerdings haben sich die Bedingungen, unter denen Dichtung heute produziert, rezipiert und archiviert wird, im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung nachhaltig verändert. Im Seminar werden wir uns zum einen mit den breit gefächerten Erscheinungsformen von Lyrik im digitalen Zeitalter beschäftigen, wozu u.a. algorithmisch modellierte oder interaktiv angelegte Texte, Twittergedichte und Instapoetry gehören. Zum anderen ziehen wir Texte aus der literatur- und medienwissenschaftlichen Forschung heran, um genauer zu erörtern, welche ästhetischen und poetologischen Verschiebungen sich im digitalen Raum beobachten lassen und wie diese mit den je beteiligten technologischen und (aufmerksamkeits-)ökonomischen Faktoren verknüpft sind. |