Mit dem ‚Nibelungenlied‘ widmet sich das Seminar einem Klassiker der höfischen Literatur und bezieht mit der ‚Klage‘ dessen Fortsetzungstext mit ein, der im Mittelalter als fester Bestandteil mit dem Lied zusammen tradiert wurde.
Das Heldenepos schildert den Untergang der Burgunden, ausgelöst durch den Mord an Siegfried, dem vermeintlich unbesiegbaren Drachentöter. Aus Rache lädt die verwitwete Kriemhild ihre Verwandten an den Hof ihres zweiten Mannes Etzel, wo in einem beispiellosen Gemetzel sämtliche Burgunden einen heldenhaften Tod sterben. Die ‚Klage‘ widmet sich den Konsequenzen dieser traumatischen Ereignisse: Zunächst werden Bergung und Beerdigung der Toten geschildert und anschließend der Weg der Boten verfolgt, die die bestürzenden Nachrichten in die Heimat tragen.
Als sogenanntes deutsches National-Epos bietet der Text vielfältige Ansatzpunkte zur Analyse: Überlieferung und Sagenwissen, Ritterethos und Kampfstrategien, Minnekonzepte bzw. Gender-Problematiken, Konzepte von Rache und Ehre sowie Emotionen. Es werden aktuelle Forschungsdiskurse verhandelt und über den literaturwissenschaftlichen Ansatz hinaus sowohl der kultur- als auch der sozialhistorische Hintergrund berücksichtigt. Je nach Interesse können literarische und künstlerische Verarbeitungen sowie Verfilmungen und dramatisierende Rezeptionsformen untersucht werden. |