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Aktuelles Semester: WiSe 2026/27

Vorlesung: Grabmalkunst ab 1500

Funktionen
Informationen

Grunddaten

Veranstaltungsnummer: 4008063
Semester: WiSe 2026/27
SWS: 2
Sprache: Deutsch
Belegungszeitraum: CDFI    02.09.2026 08:00:00 - 31.03.2027    aktuell

Termine

Gruppe: - iCalendar Export für Outlook
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer/-innen
iCalendar Export für Outlook Di. 10:00 bis 12:00 woech 13.10.2026 bis
26.01.2027
Rubenowstraße 2b - Seminarraum 1 Heck    
Einzeltermine
13.10.2026 | 20.10.2026 | 27.10.2026 | 03.11.2026 | 10.11.2026 | 17.11.2026 | 24.11.2026 | 01.12.2026 | 08.12.2026 | 15.12.2026 | 22.12.2026 | 29.12.2026 | 05.01.2027 | 12.01.2027 | 19.01.2027 | 26.01.2027 |

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Inhalt

Kommentar

Die Vorlesung setzt den ersten Teil (Wintersemester 2025/26) fort, der von den frühen Grabmaltypen bis an die Schwelle der Reformation um 1500 führte. Der zweite Teil untersucht die europäische Grabmalskunst von der Reformation bis zur Ausbildung der modernen Friedhofskultur im 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht ein struktureller Wandel: die zunehmende Trennung von Körper und Zeichen. Während im mittelalterlichen Tumbengrab das Bild des Verstorbenen auf der Grablege ruht, sinkt der Leib in der Frühen Neuzeit in die verborgene Gruft, während die Repräsentation an die Wand steigt (Figurenwanddenkmal) oder als Epitaph an anderer Stelle erscheint. Epitaph, Gruft und oberirdisches Wanddenkmal werden daher nicht als getrennte Gattungen, sondern als zusammenhängende Typenfamilie eines abwesenden, verborgenen Körpers analysiert.

 

Ein Leitfaden ist die konfessionelle Spaltung der Memoria nach 1517. Behandelt werden protestantische Fürstendenkmale — das Grabmonument Philipps des Großmütigen in der Kasseler Martinskirche, die Figurenwanddenkmale der ernestinischen Herzöge in Weimar und in der Coburger Morizkirche, die Prieche und Grablege der Grafen von Schwarzburg in Rudolstadt — im Gegenüber zu den großen Bildprogrammen der Gegenreformation: die Papstgrabmäler in St. Peter von Sixtus V. bis zu Berninis Denkmälern für Urban VIII. und Alexander VII., der Escorial mit den Bronzegruppen Pompeo Leonis und dem Panteón de los Reyes sowie die wittelsbachische Grablege Maximilians I. in St. Michael zu München.

 

Neben den fürstlichen Grablegen richtet die Vorlesung den Blick auf die gesamte ständische Breite der Sepulkralkultur. Behandelt werden die dänischen Königsgräber in Roskilde und die Fürstenmemoria im Ostseeraum ebenso wie die Epitaphien des Niederadels — etwa in den Stralsunder Pfarrkirchen — und die adligen Familienkapellen mit ihren importierten niederländischen Alabasterarbeiten. Ein eigener Schwerpunkt gilt der städtischen Memoria ohne Fürstenhof: den Patrizierepitaphien Nürnbergs und Frankfurts und den bürgerlichen Grabdenkmälern der Hansestädte Lübeck, Hamburg und Danzig. Ein vergleichender Ausblick auf außereuropäische Herrschergräber — Taj Mahal, osmanische Türben, die Ming-Gräber — konturiert das dynastische Repräsentationsproblem im interkulturellen Spiegel.

 

Der letzte Abschnitt verfolgt die Auflösung der höfischen Prachtentfaltung in der Aufklärung: Dem Doppelsarkophag Maria Theresias und Franz Stephans von Balthasar Ferdinand Moll in der Wiener Kapuzinergruft steht die josephinische Bestattungsreform von 1784 gegenüber — Verlegung der Begräbnisplätze vor die Stadt, Massen- und Armengräber, der wiederverwendbare Sparsarg, das Verbot individueller Denkmäler und dessen teilweise Rücknahme. Als empfindsame Gegenbewegung erscheinen die Erinnerungslandschaft von Wörlitz mit der Goldenen Urne und die Weimarer Fürstengruft, in der Goethe und Schiller unter den Herzögen bestattet werden — die Sakralisierung des Dichters an die Stelle der dynastischen Memoria. Von hier führt der Weg zum Père Lachaise, zum bürgerlichen Familiengrab und zu den Monumentalfriedhöfen des 19. Jahrhunderts (Staglieno, Hamburg-Ohlsdorf), in denen die Friedhofskultur ihre Blüte erreicht. Methodisch verknüpft die Vorlesung ikonographische, architektonische und sozialgeschichtliche Fragestellungen; theoretische Bezugspunkte sind Erwin Panofskys Deutung des Grabmals als Bildform, Philippe Ariès' Mentalitätsgeschichte des Todes sowie neuere Studien zu Genealogie und Memoria als Ausdruck frühneuzeitlicher Monumentalität (vgl. Kilian Heck, Genealogie als Monument und Argument; Kilian Heck / Antje Kempe, Mit letzter Pracht. Grabdenkmale der Frühen Neuzeit in Mecklenburg und Pommern).

Literatur

Literatur

 

Überblick

 

Philippe Ariès, Geschichte des Todes. München 1980.

 

Paul Binski, Medieval Death. Ritual and Representation. London 1996.

 

Harald Keller / Horst Bredekamp, Kunst und Tod. Studien zur Kultur der Sepulkralkunst. München 1984.

 

Hartmut Krohm / Kristina Krüger (Hg.), Grabmäler. Die schönsten Epitaphien und Monumente aus sieben Jahrhunderten. Leipzig 2006.

 

Erwin Panofsky, Grabplastik. Vier Vorlesungen über ihren Bedeutungswandel von Alt-Ägypten bis Bernini. Köln 1964.

 

Reinhart Staats, Der deutsche Friedhof. Geschichte, Gestaltung, Nutzung. Darmstadt 1990.

 

Weiterführende Literatur

 

Horst Bredekamp / Volker Reinhardt (Hg.), Totenkult und Wille zur Macht. Die unruhigen Ruhestätten der Päpste in St. Peter. Darmstadt 2004.

 

Katarzyna Cieslak, Tod und Gedenken. Danziger Epitaphien vom 15. bis zum 20. Jahrhundert (Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 14). Lüneburg 1998.

 

Kilian Heck, Genealogie als Monument und Argument. Der Beitrag dynastischer Wappen zur politischen Raumbildung der Neuzeit. München/Berlin 2002.

 

Kilian Heck / Antje Kempe (Hg.), Mit letzter Pracht. Grabdenkmale der Frühen Neuzeit in Mecklenburg und Pommern. Berlin 2020.

 

Arne Karsten / Philipp Zitzlsperger (Hg.), Tod und Verklärung. Grabmalskultur in der Frühen Neuzeit. Köln/Weimar/Wien 2004.

 

Anne-Dore Ketelsen-Volkhardt, Schleswig-Holsteinische Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts (Studien zur Schleswig-holsteinischen Kunstgeschichte 15). Neumünster 1989.

 

Aleksandra Lipinska, Moving Sculptures. Southern Netherlandish Alabasters from the 16th to 17th Centuries in Central and Northern Europe. Berlin 2015.

 

Oliver Meys, Memoria und Bekenntnis. Die Grabdenkmäler evangelischer Landesherren im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zeitalter der Konfessionalisierung. Regensburg 2009.

 

Corine Schleif, Donatio et Memoria. Stifter, Stiftungen und Motivationen an Beispielen aus der Lorenzkirche in Nürnberg (Kunstwissenschaftliche Studien 58). München 1990.

 

Gerhard Weilandt, Die Sebalduskirche in Nürnberg. Bild und Gesellschaft im Zeitalter der Gotik und Renaissance (Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte 47). Petersberg 2007.

Moodle https://moodle.uni-greifswald.de/course/view.php?id=29875

Zugeordnete Person

Zugeordnete Person Zuständigkeit
Heck, Kilian, Prof. Dr. verantwortlich

Studiengänge

Abschluss Studiengang Studienphase PO-Version
Bachelor of Arts (2 F.) Kunstgeschichte 2019
Master of Arts Kunstgeschichte M.A. 2020

Zuordnung zu Einrichtungen

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