Die Texte der österreichischen Autorin Mela Hartwig (1893-1967) verhandeln Geschlechterbeziehungen, weibliche Sexualität, das Verhältnis von Institution, Macht und Psyche sowie das Arbeitsleben der „Neuen Frau”. Sie zeigen, wie der weibliche Körper entwertet und zum Instrument von Herrschaft wird und üben Widerstand. Dabei schließen Mela Hartwigs Texte an zeitgenössische literarische Strömungen – wie den Expressionismus oder die Neue Sachlichkeit – an, wenden diese aber neu oder durchkreuzen sie mit Verfahrensweisen des Fin de siècle und dessen Orientierung an der Psychoanalyse.
Trotz ihres zeitgenössischen Erfolgs geriet die Autorin weitgehend in Vergessenheit. Ihre Veröffentlichungsversuche wurden ab den 1930er Jahren abgelehnt und schließlich verboten, nationalsozialistische Verfolgung und Emigration beendeten ihre Karriere.
Im Moment wird Mela Hartwig auch wissenschaftlich wiederentdeckt. In diesem Rahmen möchte sich das auch das Seminar ihren Texten genau und behutsam annähern. Wir lesen gemeinsam die Novellen aus ihrem frühen Band Ekstasen (1928), ihre Romane Das Weib ist ein Nichts (1929) und Bin ich ein überflüssiger Mensch? (postum 2001) sowie Auszüge aus Inferno (postum 2018) und Der verlorene Traum (postum 2025).
Das Seminar ist für Studierende der Gender Studies geöffnet.
Vorausgesetzt wird die Lust am genauen Lesen, gemeinsamen Denken und Diskutieren. |