Johanna Schopenhauer (1766-1838) gehört zu den weniger bekannten Autorinnen des frühen 19. Jahrhunderts. Meist nur noch als Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer bekannt und heute wenig gelesen und beforscht, war Johanna Schopenhauer jedoch in ihrer zweiten Lebenshälfte eine überaus gepriesene, viel gelesene und auch ökonomisch erfolgreiche Autorin. Als Witwe zieht sie mit ihren beiden Kindern (Arthur und Adele – Adele Schopenhauer wird selbst bekannte Autorin) nach Weimar, um mit über 40 im Umkreis Goethes ihre Karriere als Schriftstellerin zu starten. Sie schreibt Künstler-Biografien, Liebesromane und Reiseberichte. Goethe rezensiert ihren ersten Roman "Gabriele" überschwänglich. Zu Lebzeiten erhält sie eine umfangreiche Gesamtausgabe ihrer Schriften. In den 1830ern ändert sich jedoch der literarische Diskurs und auch der Publikumsgeschmack grundlegend.
Wir werden uns im Seminar das Werk der Schriftstellerin erschließen und es in den verschiedenen Epochen und Strömungen der Zeit (Goethe-Zeit, Romantik, Biedermeier, Vormärz) verorten. Wir fragen auch nach Publikationsbedingungen von Schriftstellerinnen um 1800, nach literaturkritischen Bewertungen populären und ökonomischen Schreibens und neueren gendertheoretischen Zugriffen auf weibliches Schreiben, Fragen der Kanonisierung und Literaturkritik.
Thematisch werden in ihren Texten (besonders in den Romanen und Novellen) Geschlechterverhältnisse kritisch befragt und weibliche Räume von Autonomie und Handlungsmacht verhandelt.
Das Seminar ist für Studierende der Gender Studies geöffnet. |