Wie und warum verändern Wörter und Wendungen im Laufe der Zeit ihre Bedeutung? Die historische Semantik untersucht solche Vorgänge des Bedeutungswandels im Zusammenhang mit historischen Kommunikationssituationen, kulturellem Wissen und gesellschaftlichen Veränderungen. Das Seminar führt anhand konkreter Beispiele in zentrale Formen und Prozesse des Bedeutungswandels ein, vermittelt terminologische Grundlagen und verbindet sprachgeschichtliche Perspektiven mit der praktischen Arbeit an historischen Texten.
Einen Schwerpunkt bilden Spätmittelalter und Frühe Neuzeit als Phasen tiefgreifenden sprachlichen Wandels, insbesondere die Herausbildung des Frühneuhochdeutschen. Dabei beschäftigen wir uns mit der Entstehung überregionaler Schreibsprachen und besonders mit der Bedeutung Luthers und seiner Bibelübersetzung für Wortschatz und Sprachgebrauch. Das Mittelniederdeutsche und das Jiddische erweitern diesen Blick um Fragen von regionaler Differenzierung, Sprachkontakt, Entlehnungen und Mehrsprachigkeit. Auf dieser Grundlage untersuchen wir die Geschichte einzelner Wörter und Redensarten, metaphorische und metonymische Bedeutungsentwicklungen, Prozesse der Idiomatisierung sowie historische Formen von Höflichkeit und Anrede.
Im Mittelpunkt steht die anwendungsbezogene Arbeit: Wir erschließen historische Wortverwendungen aus ihrem jeweiligen Kontext, verfolgen Bedeutungsentwicklungen über längere Zeiträume und lernen, historische und etymologische Wörterbücher sowie weitere lexikographische Hilfsmittel gezielt einzusetzen. Ziel ist nicht zuletzt eine historisch angemessene Lektürekompetenz für Texte früherer Sprachstufen. |