Wozu brauchen Historiker*innen Theorie und wie können theoretische Texte entschlüsselt und in der Forschungspraxis angewandt werden?
Historische Forschung kommt nicht ohne Vorstellungen darüber aus, wie Gesellschaften strukturiert sind, wie sozialer Wandel entsteht und wie individuelles Handeln, Institutionen, Machtverhältnisse und kulturelle Deutungsmuster miteinander zusammenhängen. Solche theoretischen Annahmen bleiben in geschichtswissenschaftlichen Arbeiten jedoch häufig implizit. Wir nehmen deshalb das Verhältnis von Gesellschaftstheorie und Geschichtswissenschaft in den Blick und diskutieren anhand ausgewählter theoretischer Ansätze unterschiedliche Möglichkeiten, historische Prozesse und gesellschaftliche Ordnungen zu beschreiben und zu erklären.
Im Seminar wollen wir uns einmal ausführlich jenen ausgewählten Klassikern zuwenden, die in der Lehre sonst meist nur als Namen genannt und vorausgesetzt werden. Ziel ist es dabei nicht, einen Kanon gesellschaftstheoretischer Ansätze vollständig zu erschließen. Vielmehr soll das Seminar dazu befähigen, die theoretischen Voraussetzungen historischen Arbeitens zu erkennen, unterschiedliche Begriffe und Modelle kritisch zu vergleichen und ihren analytischen Nutzen für konkrete geschichtswissenschaftliche Fragestellungen zu prüfen. Das Seminar versteht Theorie damit nicht als abstrakten Zusatz zur historischen Forschung, sondern als ein Instrument, mit dem sich historische Fragen präziser formulieren und die Vergangenheit auf unterschiedliche Weise neu denken lässt.
Geplant ist die Lektüre zentraler Texte u.a. von Hannah Arendt, Theodor W. Adorno, Reinhart Koselleck, Pierre Bourdieu, Michel Foucault, Benedict Anderson, Gayatri Chakravorty Spivak, Susan Sontag und Donna Haraway.
Die erste Sitzung am 14. Oktober 2026 findet per Zoom statt. Alle anderen Sitzungen finden im Seminarraum statt.
https://uni-greifswald-de.zoom.us/j/87167508161?pwd=pGhHTKNvdasRrDaqmLqor3NF93wupU.1
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