China besitzt in der deutschen Wahrnehmung einen janusgesichtigen Ruf: Galt das Land bis vor kurzem als gigantischer Absatzmarkt für deutsche Industrieprodukte, beherrschen heute Ängste vor einer industriellen Dominanz Chinas und einem Großmachtkonflikt mit den USA um Taiwan die deutsche Berichterstattung. Während viele Wirtschaftsvertreter mit Bewunderung auf die Dynamik und Innovationskraft der chinesischen Wirtschaft schauen, kritisieren im Gegenzug Politiker und zivilgesellschaftliche Vertreter die Menschenrechtslage und die Unterdrückung von Dissidenten und Minderheiten im Reich der Mitte unter Staatspräsident Xi Jinping. Im offiziellen politischen Sprachgebrauch firmiert China als wichtiger wirtschaftlicher Partner und strategischer Wettbewerber zugleich.
Das Seminar untersucht die Ursprünge dieser deutschen Chinabilder, positiver wie negativer, sowie den Verlauf der deutsch-chinesischen Beziehungen von der diplomatischen Kontaktaufnahme durch die preußisch-deutsche Eulenburg-Expedition 1859-1862 bis hin zur kolonialen Phase 1897-1919. Im Zentrum stehen dabei im Besonderen ausgewählte deutsche Akteure bzw. Akteursgruppen und Ereignisse, welche die Beziehungen der beiden Länder entscheidend prägten. Umfangreiche deutschsprachige Quelleneditionen erlauben zugleich ein quellennahes Arbeiten. Kontextualisierend wird zudem Hintergrundwissen der chinesischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts vermittelt; chinesische Sprachkenntnisse sind nicht notwendig. |