| Kommentar |
Dystopien formulieren Weltentwürfe in einer fiktiven Zukunft. Im Gegensatz zur Utopie sind diese Entwürfe negativ geprägt: Die Protagonistinnen und Protagonisten kämpfen gegen Naturkatastrophen, Pandemien, postapokalyptische Diktaturen oder Bedrohungen durch KI. Seit den 1970er-Jahren hat sich das Bild von Kindheit gewandelt – basierend auf der Auffassung, dass Heranwachsende und Erwachsene sich ein und dieselbe Welt teilen. Dadurch gelten seitdem alle Themen als kinderliterarisch darstellbar, und auch die Dystopie fand Einzug in die Kinder- und Jugendliteratur. Besonders in diesem Bereich erlebt das Genre seit dem Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts einen regelrechten Boom und Dystopien gehören heute zur Freizeitlektüre vieler Schülerinnen und Schüler. Doch allein dieser Umstand macht diese Texte noch nicht zu einem geeigneten Gegenstand des Deutschunterrichts. Vielmehr sind es die in ihnen verhandelten Themen, die eine Diskussion anthropologischer Grundfragen anregen, die Verbindungen zu anderen Genres wie dem Adoleszenzroman, der Science-Fiction oder dem Thriller sowie intertextuelle und transmediale Bezüge, die das literarische Lernen fördern. All dies bildet das didaktische Potenzial von Dystopien. Dementsprechend sollen die im Seminar behandelten Textbeispiele unter diesen Aspekten diskutiert und hinsichtlich ihrer unterrichtlichen Eignung beurteilt werden. Primärliteratur – in der Reihenfolge der Thematisierung in der Lehrveranstaltung: - Lee Bacon, 2021, Roboter träumen nicht. Bindlach: Loewe-Verlag
- Frank Maria Reifenberg, 2024, Genesis Reboodet. München: Dtv
- Catherine Egan, 2026, The Factory. Frankfurt am Main: Fischer Sauerländer
- Martin Schäuble, 2020, Cleanland. Frankfurt am Main: Fischer KJB
- Neal Shusterman / Jarrod Shusterman, 2019, Dry. Frankfurt am Main: Fischer Sauerländer
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| Literatur |
Praxis Deutsch 287: Dystopien, Mai 2021. Praxis Deutsch 310: Climate Fiction, März 2025. Tobias Kurwinkel, Philipp Schmerheim (Hg.), 2020, Handbuch Kinder- und Jugendliteratur. Heidelberg: J.B. Metzler Verlag. Ina Brendel-Perpina, Anna Kretzschmar (Hrsg.), 2021, Serialität in der Kinder- und Jugendliteratur. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. |