Der deutsche Frühhumanismus ist durch tiefgreifende kulturelle, mediale und sprachliche Transformationsprozesse geprägt. Übersetzungsliteratur spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie vermittelt antike und zeitgenössische Texte, formt neue Wissensordnungen und reflektiert den Wandel literarischer Produktions- und Rezeptionsbedingungen. Das Seminar widmet sich dieser dynamischen Phase unter dem Titel „Texte im Wandel – Daten im Wandel” und verbindet literaturwissenschaftliche Analyse mit digitaler Forschungsarbeit. Im Mittelpunkt stehen ausgewählte frühhumanistische Übersetzungstexte sowie ihr kultureller, sozialer und intellektueller Kontext. Fragen der Überlieferung, Autorschaft und Literaturproduktion am Übergang von der Handschrift zum Druck werden ebenso behandelt wie die spezifischen Herausforderungen und Chancen dieser medialen Umbruchsituation. Die Analyse der Texte erfolgt vor dem Hintergrund aktueller methodischer Ansätze der germanistischen Mediävistik und Frühneuzeitforschung. Ein zentrales Element des Seminars ist die praktische Mitarbeit der Studierenden an einer bestehenden Forschungsdatenbank zur frühhumanistischen Übersetzungsliteratur (mrfh.de). Im Rahmen eines Datenbank-Reengineerings arbeiten die Teilnehmenden an der Weiterentwicklung, Strukturierung und kritischen Reflexion der digitalen Forschungsinfrastruktur mit. Dabei werden Grundlagen der digitalen Editions- und Datenbankarbeit vermittelt und in enger Anbindung an laufende Forschungsprozesse erprobt. Das Seminar ist als forschungsnahe Lehrveranstaltung konzipiert und ermöglicht Studierenden einen unmittelbaren Einblick in aktuelle mediävistische und frühneuzeitliche Forschung. Es vermittelt literatur- und kulturhistorische Kenntnisse, digitale Methodenkompetenzen sowie Erfahrungen in kollaborativer wissenschaftlicher Arbeit an der Schnittstelle von Text, Medium und Daten. |