| Kommentar |
Während die deutsche Klassik den geschlossenen Körper, die idealisierte Marmorstatue als ideal der Schönheit zur Orientierung für alle Kunstschaffenden empfahl, setzten die Romantiker auf das Groteske, um der Literatur neue Impulse zu geben. Visuell-plastische Darstellungen nicht-harmonischer Körper gehören in der deutschsprachigen Literatur seither ebenso zum Repertoire des Grotesken wie literarische Imaginationen von Körpern, die kulturellen Vorstellungen von Schönheit (und Gesundheit) nicht entsprechen oder binäre Imaginationen von Geschlecht stören. Das Seminar folgt literarischen und visuellen Modellierungen grotesker Körper in großen Sprüngen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Neben E.T.A. Hoffmanns Prinzessin Bambrilla werden wir uns u.a. mit Franz Kafkas Bericht für eine Akademie und dessen intertextueller Adaption durch Paul Preciado in aktuellen trans*-Diskursen, sowie mit grotesken Körpern bei Elfriede Jelinek und Menstruations-lyrics im Popfeminismus beschäftigen. |