| Kommentar |
Der Fremde, heißt es in Georg Simmels soziologischem „Exkurs über den Fremden” ist derjenige, „der heute kommt und morgen bleibt”. Nicht selten wird er daher als eine Figur verstanden, die eigene Gewohnheiten, Deutungsmuster und Zugehörigkeiten in Frage stellt. Gerade in dieser Hinterfragung aber liegt das Potential, das Eigene in seiner Kontingenz und Wandelbarkeit zu erkennen und um Anderes zu erweitern. Was aber überhaupt heißt Fremdheit? Wie kann man Fremdes darstellen und schreiben? Welche Darstellungsweisen korrespondieren dem Fremden sowie der Erfahrung von eigener Fremdheit? Gibt es Fremdes, das sich nicht darstellen lässt? Und wer oder was entscheidet darüber, was vertraut und was fremd ist? Das Seminar möchte diesen Fragen in der Auseinandersetzung mit literarischen, soziologischen, philosophischen und ethnographischen Texten nachgehen. Gelesen werden u.a. literarische Texte von E.T.A. Hoffmann, Elias Canetti, Herta Müller und Elfriede Jelinek, ein Seitenblick gilt auch postmigrantischer Literatur. Zur ersten Inspiration empfohlen: Julia Kristeva, Fremde sind wir uns selbst. Aus dem Franz. von Xenia Rajewsky, Frankfurt a.M. 1990. |