| Kommentar |
Als Kurt Hiller 1911 eine Gruppe Berliner Autoren des "Neopathetischen Cabarets" als "Expressionisten" bezeichnete, konnte er nicht ahnen, dass damit ein Epochenbegriff geprägt wurde, der bis heute in der Literaturwissenschaft relativ unumstritten verwendet wird. Das Seminar folgt den Spuren der (Selbst-)Bezeichnung des Expressionismus, der Übernahme des Begriffs aus der zeitgenössischen Kunstdebatte bis zu seiner umdeutenden Annäherung an den Faschismus bei Gottfried Benn 1933. Das Seminar beleuchtet die Konstruktion des Expressionismus in diesen poetologischen Essays und Zeitschriften und kontrastiert sie mit expressionistischen Gedichten, Prosa-Texten und Dramen verschiedenster Autor*innen. Sie erhalten einen vertieften Einblick in die deutschsprachige Literatur der Moderne und die historische Umbruchszeit zwischen erstem Weltkrieg, Revolution und Weimarer Republik. Da die Auswahl der Texte noch nicht feststeht, empfehle ich zur Vorbereitung: Thomas Anz: Literatur des Expressionismus. Stuttgart 2010. |