| Kommentar |
Trotz ihres beständigen Engagements als Schauspielerinnen, Kritikerinnen und Regisseurinnen um 1800 sind Autorinnen dramatischer Texte lange Zeit Randfiguren der Literaturgeschichte: Frauen schreiben nicht dramatisch, sie sind es höchstens. Diesem Verhältnis von Gattung, Geschlecht und Geschichtsschreibung spüren wir im Seminar nach und untersuchen, wie die Texte selbst Weiblichkeit im Spannungsfeld sozialgeschichtlicher Entwicklungen, von Autorschaftskonzepten und sich wandelnden Geschlechterordnungen um 1800 inszenieren. Mit Blick auf Theaterpraxis und Gattungspoetik stehen Fragen nach Handlungsmacht, Gewalt- und Liebesdarstellungen, Bildung, Tugend und Erziehung sowie nach den ästhetischen Spielräumen weiblicher Figuren auf der Bühne im Zentrum. Ziel des Seminars ist eine textnahe, geschlechtergeschichtlich erweiterte und zugleich kanonkritische Auseinandersetzung mit weiblicher Dramatik um 1800. Wir lesen Dramen u. a. von Charlotte von Stein, Elise Müller, Sophie Albrecht und Wilhelmine von Gersdorf. Zum Seminar gehört auch der Besuch der IZfG-Ringvorlesung mit Martina Wernli (Berlin) am 23. Juni im Krupp-Kolleg, nähere Infos folgen zu Semesterbeginn. |