| Kommentar |
"Die Liebe entsteht wie aus dem Nichts", schreibt der Soziologe Niklas Luhmann über die moderne Idee der romantischen Liebe, und fügt dann ironisch hinzu: "… [sie] entsteht mit Hilfe von copierten Mustern, copierten Gefühlen, copierten Existenzen" (N. Luhmann, Liebe als Passion). Luhmann macht die Literatur und insbesondere die Romane des 18. Jahrhunderts verantwortlich für ein romantisches Liebesideal, dessen Spuren bis in die Gegenwart reicht. Mit dieser Vorstellung von Liebe etabliert sich auch ein neues Verständnis der Geschlechterdifferenz – mit der Idee sich ergänzender "Geschlechtscharaktere" wird die Verbindung von Mann und Frau als naturgewolltes Ideal imaginiert, das sich in der Ehe realisiert. Im Seminar werden wir Sophie La Roches Briefroman Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1772), Liebeslyrik der Romantik und Klassik sowie Heinrich v. Kleists Tragödie Penthesilea lesen. Wir werden dabei a) die Grundkenntnisse der Textanalyse vertiefen, b) divergierende literarische Modellierungen (scheiternder) Liebes- und Geschlechterverhältnisse um 1800 kennenlernen und c) Verbindungen von Literatur und Literaturtheorie mit Blick auf das Thema Liebe diskutieren. |