| Kommentar |
Seit ihrem ersten Auftreten im deutschsprachigen Mitteleuropa zum Beginn des 15.Jahrhunderts waren Sinti, Roma und andere als „Zigeuner“ diffamierte Menschen einem andauernden Prozess des Othering, der rechtlichen und sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt, der im 18.Jahrhundert in der Kriminalisierung und letztlich in der obrigkeitlichen Verfolgung dieser Menschen mit militärischen Mitteln mündete. In dieser Übung soll eine Einführung in die (Verfolgungs-)Geschichte der als „Zigeuner“ bezeichneten Menschen in der Frühen Neuzeit; vor allem im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, geboten werden. Abgedeckt wird aber nicht nur die Verfolgungsgeschichte der sogenannten „Zigeuner“ im Alten Reich, sondern auch die Herkunft und Migrationsbewegung der Sinti und Roma nach Europa, die Konstruktion und Entwicklung des mehrheitsgesellschaftlichen und insbesondere obrigkeitlichen „Zigeuner“-Bildes in der Frühen Neuzeit, die infolgedessen entstandenen Narrative und Stereotypen und die Legitimierung obrigkeitlichen Herrschaftsausbaus durch eben diese. In der Übung wird mit zeitgenössischen Quellen aus dem 16. bis 18.Jahrhundert gearbeitet; die Fähigkeit zum Frakturlesen oder die Bereitschaft zum Erlernen derselben ist also zwingend erforderlich. Begleitliteratur und Quellen werden digital über Moodle zur Verfügung gestellt. |