| Kommentar |
Kaiser Otto III., der vierte Herrscher aus ottonischem Geschlecht, zählt – obschon bereits im Alter von nur 21 Jahren verstorben – zu den schillerndsten und wohl vielschichtigsten Herrschergestalten des Mittelalters. Bereits von seinen Zeitgenossen wurde er als „glänzendster König der Könige“ (rex illustrissimus regum) gepriesen und ob seiner herausragenden Bildung als „Weltwunder“ (mirabilia mundi) gerühmt, erzogen unter anderem von Gerbert von Aurillac, einem gebildeten Geist, der intellektuell weit über seine Zeitgenossen hinausragte. Das Verdikt der älteren Geschichtswissenschaft über Otto III. fiel zunächst weniger milde aus. Wahlweise wurde der Kaiser belächelt als verträumter „Jüngling im Sternenmantel“, der als Halbwaise unter der Kuratel seiner Mutter, einer byzantinischen Prinzessin, und seiner Großmutter, einer burgundischen Adeligen, stand, als religiöser Exzentriker betrachtet, der barfüßig zum Grabe seines Lehrmeisters, Bischof Adalberts von Prag, nach Gnesen pilgerte und sich zwecks Bußübungen wochenlang in einer Höhle bei Rom einschloss, oder als politischer Phantast abgetan, dessen ehrgeiziges Vorhaben, das Imperium Romanum zu erneuern, die Bereitschaft seiner Anhänger und Untertanen zur Gefolgschaft überspannte. Die jüngere Mediävistik hingegen hat sich zu einem ausgewogenerem Urteil durchgerungen, insoweit sie Otto III. als ein „Kind seiner Zeit“ bewertet. Das Proseminar wird sich der historischen Persönlichkeit Ottos III. nähern und dabei seine Bedeutung für die politische (Ideen-)Geschichte des Mittelalters und seine Stellung in der Geistes- und Kulturgeschichte des Mittelalters würdigen. Im Rahmen dessen werden die wichtigsten Quellen zur Geschichte der Ottonenzeit vorgestellt und die zentralen methodischen Grundlagen des Faches erprobt: Recherchieren, Bibliographieren und Zitieren, Quellenkritik, Entwicklung einer wissenschaftlichen Fragestellung, Paläographie, Chronologie und Diplomatik. |
| Literatur |
Gerd Althoff: Otto III. (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 1996; Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (Urban-Taschenbücher 473), Stuttgart 32013; Helmut Beumann: Die Ottonen (Urban-Taschenbücher 384), Stuttgart 52000; Ekkehard Eickhoff: Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt, Stuttgart 1996; Ekkehard Eickhoff: Kaiser Otto III. Die erste Jahrtausendwende und die Entfaltung Europas, Stuttgart 1999; Knut Görich: Otto III., Romanus Saxonicus et Italicus. Kaiserliche Rompolitik und sächsische Historiographie (Historische Forschungen 18), Sigmaringen 21995; Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter (Hgg.): Otto III. – Heinrich II.: eine Wende? (Mittelalter-Forschungen 1), Sigmaringen 1997. |